Im Zentrum der Installation stehen Systeme, die das menschliche Leben prägen – die zwar unsichtbar aber konsequent und wirkmächtig hinter der scheinbaren Selbstverständlichkeit des Alltags operieren.
Kirsten Piper spürt so gemeinschaftlichen und individuellen Ordnungen nach und übersetzt diese mit unterschiedlichsten Materialien in räumliche Strukturen.
Dabei verweist sie auf kollektive Muster, die Individuen miteinander verbinden.
In diesem Spannungsverhältnis wird sichtbar, wie sich Individualität innerhalb solcher Zusammenhänge entfaltet
und zugleich von ihnen geformt wird.
Das ICH, das oft als stabile Einheit empfunden wird, entlarvt die Künstlerin hierbei ebenfalls als Gefüge,
das sich im Zusammenspiel verschiedener Systeme ständig neu formt und formen lässt.
Text Dr. Susanne Schwertfeger
Einführungsredner Jens Martin Neumann und sein Text zu meiner Arbeit "Archetypus I-III"
Schon um 1960 etwa hat die Malerei und Skulptur ja begonnen, sich von Rahmen und Sockel zu lösen und als ortsbezogene Installation in den Raum auszugreifen und Kirsten Piper schöpft für ihre Rauminstallation
Archetypus I-III sozusagen aus dem riesigen Pool trivialer populärer Alltagsklischees idealer Topidole archaischer
Geschichten mesoamerikanischer, fernöstlicher Götterwelten, also sie ruft im Grunde alle bekannten kollektiven Bilder von uns ab, die als Tatoos, als Sticker oder als Majafigur schon inhaltlich, schon bildlich formuliert sind und
das Ganze ergibt so eine individuelle Mythologie, die den dargestellten Dingen sozusagen eine zeichenhafte Symbolik verleiht und im Raum entwickelt sich das Ganze zu einer richtungslos flutenden Bewegung, zu einer wabernden Neuordnung und Formenübermittlung in einer buntfarbigen Transparenz, in der eine begehbare Bildhaftigkeit herrscht.